Können Kosten für das Erststudium von der Steuer abgesetzt werden?

Können Kosten für die Erstausbildung bzw. für das Erststudium von der Steuer abgesetzt werden? In seinem am 23. Juli 2020 veröffentlichten Urteil schafft der BFH endgültig Klarheit über die Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für das Erststudium als Werbungskosten (BFH, Urteil v. 12.2.2020 – VI R 17/20 (VI R 64/12).

BFH schafft Klarheit: Aufwendungen für das Erststudium sind keine Werbungskosten

Die Frage nach der Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für das Erststudium gehört seit Jahren zu den Streitpunkten, und führte zu einer Vielzahl von anhängigen Revisionen beim BFH. Nicht zuletzt hat sich auch das Bundesverfassungsgericht mit der Frage auseinandersetzen müssen, ob das Abzugsverbot von Aufwendungen für das Erststudium als Werbungskosten mit dem Grundgesetz vereinbar sei, was im Ergebnis vom Bundesverfassungsgericht bejaht wurde.

Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 19.11.2019 – 2 BvL 22-27/14 hat nun der BFH geurteilt, dass Aufwendungen für das Erststudium außerhalb eines Dienstverhältnisses nicht zum Abzug als Werbungskosten zuzulassen sind und bestätigt damit auch die bisherige Auffassung der Finanzverwaltung.

„Aufwendungen für ein Erststudium, das eine Erstausbildung vermittelt, sind nach § 9 Abs. 6 EStG i.d.F. des BeitrRLUmsG ab dem Veranlagungszeitraum 2004 nicht (mehr) als Werbungskosten abziehbar, wenn das Studium nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet.“

Zum Hintergrund:

Die Klägerin, welche zunächst das Studium der Psychologie mit dem Abschluss „Bachelor of applied science“ abgeschlossen hat und anschließend ein Masterstudium der Neuro- und Verhaltenswissenschaften an einer anderen Universität aufgenommen hat, machte sowohl die Aufwendungen für das Bachelor- auch als für das Masterstudium als vorweggenommene Werbungskosten geltend.

Nach § 9 Abs. 6 EStG stellen Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine Berufsausbildung oder für sein Studium nur dann Werbungskosten dar, wenn der Steuerpflichtige bereits eine Erstausbildung abgeschlossen hat. Bei den Aufwendungen der Erstausbildung handelt es sich jedoch dennoch um Werbungskosten, wenn die Berufsausbildung oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet.

In dem vorliegenden Fall stellte der BFH fest, dass es sich im Fall des ersten Studiums mit dem Abschluss „Bachelor of applied science“ um eine Erstausbildung i.S.d. § 9 Abs. 6 EStG handele. Die hierfür entstandenen Aufwendungen unterliegen dem Abzugsverbot als Werbungskosten.

Die Aufwendungen für das anschließend aufgenommene Masterstudium können ohne Begrenzung der Höhe nach als Werbungskosten abgezogen werden. Diese gelten in vollem Umfang als beruflich veranlasst.

In dem der Entscheidung zugrundeliegendem Fall handelte es sich um sog. vorweggenommene Werbungskosten. Werden keine Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt, können die Werbungskosten  im Verlauf des (zweiten) Studiums im Fall mangelnder Verrechnungsmöglichkeit mit anderen positiven Einkünften im Einzelfall zu einem vortragsfähigen Verlust führen. Sobald positive Einkünfte erzielt werden, können die vorweggenommenen Werbungskosten im Jahr der erstmöglichen Verrechnung mit diesen verrechnet werden. Für eine genau Prüfung, ob ein Erststudium bzw. eine Erstausbildung vorliegt, wird bei Unklarheiten Ihr Steuerberater helfen.

https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE202010141/

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